Rituximab-Forschung in Norwegen

Dr. Fluge und Prof. MellaVon Anfang März 2013 bis zum 6. Juni 2013 sammelte der Verein ME/CFS Schweiz Geld für die Finanzierung der am Haukeland Universitätsspital in Bergen (Norwegen) geplanten Folgestudie zur Behandlung von ME/CFS-Patienten mit Rituximab.

Am 6.6.2013 wurde bekannt, dass der Research Council of Norway, eine staatliche Einrichtung zur Finanzierung von Forschungsprojekten, diese Studie finanzieren wird, nachdem im Dezember 2012 ein Antrag auf Finanzierung noch abgelehnt worden war.


Aus diesem Grund konnten wir am 6.6. unsere Sammelaktion einstellen. Zusammen mit unseren Partnern in Norwegen und dem restlichen Europa wurden insgesamt ca. 400'000 Fr. für dieses Projekt gesammelt, was ziemlich sicher dazu beigetragen hat, dem norwegischen Staat zu zeigen, wie wichtig diese Forschung ist. Das privat gesammelte Geld ermöglicht, dass die Studie nun ohne weitere Verzögerung gestartet werden kann, da die Mittel vom Research Council erst im Januar 2014 fliessen werden.

Wir bedanken uns ganz herzlich für Ihre Spenden und Ihr Engagement.

Sie finden auf dieser Seite, welche wir im März 2013 zum Erklären unserer Sammelaktion aufgeschaltet haben, im unteren Teil nun fortlaufend neue Informationen zu unserem weiteren Vorgehen im Bezug auf das gesammelte Geld und zum Voranschreiten der Rituximab-Studie. Wir empfehlen Ihnen daher, alle paar Wochen einmal vorbeizuschauen. Daneben werden wir Sie auch per Email-Newsletter (der auf unserer Startseite gratis abonniert werden kann) und per Print-Versand auf dem laufenden halten.


Die Vorgeschichte zu Rituximab und ME/CFS

Die beiden norwegischen Onkologen Dr. Fluge und Prof. Mella vom Haukeland Universitätsspital in Bergen haben 2011 im Journal PLOS ONE eine Medikamentenstudie zu Rituximab bei ME/CFS publiziert, welche viel Aufsehen erregt und viel Hoffnung geweckt hat.

Es handelte sich dabei um eine randomisierte, doppelblinde, placebo-kontrollierte Studie, an welcher 30 Patienten beteiligt waren. Zwei Drittel der 15 mit dem Medikament behandelten Patienten erlebten eine signifikante Verbesserung ihres Zustands und 2 davon erholten sich sogar vollständig und sind bis heute symptomfrei.

Besonders erstaunlich war, dass diejenigen Patienten, welche auf das Medikament ansprachen, eine Verbesserung sämtlicher Symptome erlebten, also nicht z.B. nur eine Linderung ihrer Schmerzen, weniger Erschöpfung o.ä. Dies legt die Vermutung nahe, dass Rituximab den zentralen Mechanismus von ME/CFS beeinflussen kann. Von den mit dem Placebo behandelten Patienten berichteten nur 2 eine Verbesserung.

In Zwischenzeit führten Fluge und Mella weitere kleine Studien durch, welche den Erfolg dieser Studie bestätigen konnten. Diese weiteren Studien sollten 2013 veröffentlicht werden.

Sehen Sie dazu den Beitrag von Dr. Baumgarten-Austrheim vom ME/CFS-Zentrum am Universitätsspital Oslo (aufgezeichnet an unserer Vortragsveranstaltung vom 3. Nov. 2012 am Universitätsspital Zürich):


 

Was ist Rituximab?

Rituximab (Handelsnamen MabThera® von Roche in der EU, Rituxan® von Biogen Idec/Genentech in den USA) ist ein biotechnologisch hergestellter chimärer monoklonaler anti-CD20 Antikörper, der als Arzneistoff in der Krebsimmuntherapie vorwiegend bei der Behandlung von malignen Lymphomen eingesetzt wird (EU-Zulassung 1998). Neben der Behandlung von Krebs wird Rituximab zunehmend bei Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis, der idiopathischen thrombozytopenischen Purpura (ITP) oder der Lupusnephritis eingesetzt. In Studien wird außerdem die Wirksamkeit von Rituximab bei anderen Erkrankungen, etwa Autoimmunerkrankungen wie membranöse Glomerulonephritis geprüft.

Weitere Informationen finden Sie z.B. bei Wikipedia

 

Der nächste und entscheidende Schritt

Damit nun aber sicher geklärt werden kann, ob dieses Medikament bei ME/CFS tatsächlich so gut wirkt und es dann für die Anwendung bei dieser Krankheit auch zugelassen werden kann, ist eine grössere Studie notwendig, an der idealerweise auch weitere Ärzte an anderen Einrichtungen beteiligt sind. Diese Studie mit 140 Patienten wurde inzwischen geplant und vorbereitet und die Durchführung hängt einzig und allein noch von der Finanzierung ab. Die Medikamentenkosten machen dabei den Löwenanteil der Kosten aus.

 

Die Finanzierung der geplanten Studie

Fluge und Mella haben beim Norwegischen Forschungsrat, einer staatlichen Einrichtung, die benötigten Mittel von ca. 1 Mio. Euro beantragt. Über diesen Antrag wurde am 6.12.2012 entschieden, leider wurde er nicht angenommen. Es konnten nur ca. 10% der Projekte, welche Mittel beantragt hatten, finanziert werden, die Konkurrenz ist bei diesen Ausschreibungen sehr hart. Trotzdem war es eine grosse Enttäuschung, da es sich hier potentiell um einen Durchbruch für Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Menschen weltweit handelt.

Die Dres. Fluge und Mella verfügen noch über Mittel aus anderen Quellen, die negative Entscheidung hat aber dazu geführt, dass die Durchführung der Multicenter-Studie aufgeschoben werden musste und sich um mindestens 1 Jahr verzögert.

 

Unsere europaweite Kampagne

Die Europäische ME Alliance EMEA, der der Verein ME/CFS Schweiz angehört, hat sich daher entschlossen, mit vereinten Kräften die Mittel aufzubringen, die benötigt werden, damit diese Studie ohne weitere unnötige Verzögerung gestartet werden kann.

Zusammen umfassen die in der EMEA vereinigten Organisationen ca. 10'000 Mitglieder und es ist von mehreren Hunderttausend ME/CFS-Patienten in Europa auszugehen. Es ist also klar, dass die benötigte Summe aufgebracht werden kann, wenn alle, denen es möglich ist, einen Beitrag an diese eventuell bahnbrechende Forschung leisten.

Dieser muss nicht gross sein. Wenn schon nur jedes der 10'000 EMEA-Mitglieder 100 Euro spenden würde, wäre die Studie finanziert. Und es sind ja bei weitem nicht alle ME/CFS-Patienten in Europa an die EMEA angeschlossen und wir können auch auf Spenden von Familienmitgliedern, Freunden, wohltätigen Stiftungen usw. zählen, so dass auch geringere Beiträge durchaus einen Unterschied machen. Auch eine Spende von „nur“ 5 oder 10 Fr. ist daher wertvoll und wird geschätzt, die grosse Anzahl von Spendern ist entscheidend!

Wir möchten Sie also dazu aufrufen, falls Ihnen das möglich ist, an dieses Projekt zu spenden und in Ihrem Umfeld ebenfalls zu Spenden aufzurufen. Egal, ob Sie Vereinsmitglied sind oder nicht, egal, ob Sie selber erkrankt sind oder nicht. Es gab in der Geschichte von ME/CFS noch nie eine Medikamentenstudie dieser Art mit einem solchen Erfolg, eventuell steht man hier kurz davor, den Patienten endlich richtig helfen zu können.

Es ist uns allerdings auch sehr wichtig, deutlich zu sagen, dass Personen, die es sich nicht leisten können, zu spenden, sich deswegen auf keinen Fall schlecht fühlen sollten. Viele Menschen haben auf Grund der Erkrankung ihr Einkommen eingebüsst und gerade diese Leute, diejenigen, die am härtesten getroffen sind, sollen von dieser Behandlung in Zukunft profitieren können. Um sie geht es als erstes. Wer allerdings eine Spende machen kann, hat hier die Chance, endlich einen Beitrag zu einem entscheidenden Schritt vorwärts im Kampf gegen ME/CFS leisten zu können und wir wollen diese Möglichkeit nutzen.

In diesem kurzen Video der norwegischen Initiative MEandYou wird die Notwendigkeit der Sammlung für die Rituximab-Forschung anschaulich erklärt:

 

Wohin geht das Geld?

Das Geld wird ausschliesslich und zu 100% zur Finanzierung der geplanten Multicenter-Studie mit Rituximab in Norwegen verwendet werden. Für den Fall, dass die Studie nicht durchgeführt werden könnte, finden Sie Informationen im nächsten Abschnitt. Wir werden die über unseren Verein gesammelten Spendengelder entweder direkt an das Haukeland Universitätsspital Bergen oder dann auf das speziell für die Sammelaktion für diese Forschung eingerichtete, separate Spendenkonto der Norwegischen ME Vereinigung Norges ME-Forening überweisen. Je nachdem, welcher Weg praktikabler ist. Sollte beides möglich sein, werden wir direkt an das Spital überweisen.

 

Was passiert mit dem Geld, falls die Studie aus irgendeinem Grund nicht durchgeführt werden kann?

Kann die Studie nicht durchgeführt werden, haben Sie zwei Möglichkeiten:

Entweder

(1) werden wir das Geld einem anderen seriösen und vielversprechenden Forschungsprojekt für ME/CFS im In- oder Ausland zuwenden

oder

(2) wir überweisen Ihnen Ihre Spende zurück.

Sie können sich für eine der beiden Möglichkeiten entscheiden, indem Sie bei Ihrer Spende auf dem Einzahlungsschein oder in der Eingabemaske Ihrer Online-Banking-Anwendung einen der folgenden Kommentare angeben:

  • "RTX" falls die Spende, im Fall, dass die Rituximab-Studie nicht durchgeführt werden kann, an andere gute ME/CFS-Forschung gehen soll.
  • "RTX Zurück" falls Sie möchten, dass wir Ihnen in diesem Fall Ihre Spende zurücküberweisen (unter Abzug allfälliger uns belasteter Gebühren).

 

Spendenstände

 

Organisation Stand Landeswährung Umgerechnet Bemerkungen
Verein ME/CFS Schweiz 31.5.2013 4'557 Fr 4'557 CHF
 
MEandYou* 4.5.2013 1'869'491 NOK ca. 301'000 CHF Norwegen
Norges ME Forening 7.5.2013 453'000 NOK ca. 73'000 CHF unser norwegischer Partnerverein bei EMEA
Riksföreningen för ME-Patienter 3.4.2013 35'300 SEK ca. 5'060 CHF unser schwedischer Partnerverein bei EMEA

 

 *Lost Voices Stiftung (D) bei MEandYou eingerechnet, sammeln via MEandYou.


News und Updates:

6.6.2013: Research Council of Norway beschliesst, die Studie zu finanzieren
http://www.forskningsradet.no/prognett-kliniskforskning/Nyheter/Disse_far_midler_fra_Klinisk_forskning/1253987111966/p1228296189450?WT.mc_id=Facebook

6.6.2013: Norwegischer News-Artikel zur Entscheidung des Research Council of Norway und zur Rituximab-Studie (automatische Übersetzung mit Google)
http://translate.google.com/translate?sl=no&tl=de&js=n&prev=_t&hl=de&ie=UTF-8&u=http%3A%2F%2Fwww.vg.no%2Fhelse%2Fartikkel.php%3Fartid%3D10117089&act=url

7.6.2013: Invest in ME starten Fundraising-Kampagne für eine britische Rituximab-Studie
 
8.7.2013: Die ME Association (GB) stellt 50'000£ für eine eventuelle britische Rituximab-Studie zur Verfügung und beginnt eine Sammelaktion
 
11.7.2013: Der Verein ME/CFS Schweiz hat die norwegischen Forscher am Haukeland Universitätsspital kontaktiert, um das weitere Vorgehen bezüglich des in der Schweiz gesammelten Geldes zu besprechen.
 
14.7.2013: Invest in ME geben bekannt, dass Professor Jonathan Edwards sich bereit erklärt hat, Invest in ME bezüglich einer eventuellen britischen Rituximab-Studie bei ME/CFS zu beraten. Professor Edwards war in den 1990er-Jahren verantwortlich für entsprechende Studien bei rheumatoider Arthritis.
http://networkedblogs.com/N8B1c

3.9.2013: Inverview mit Prof. Jonathan Edwards über Rituximab und die geplante englische Studie 
 
6.9.2013: Der Verein ME/CFS Schweiz wird offizieller Supporter der geplanten Rituximab-Studie am University College London
 
25.9.2013: Invest in ME geben bekannt, dass eine Stiftung 200'000£ für die Rituximab-Studie versprochen hat. Damit beläuft sich das dort gesammelte Geld auf ca. 260'000£, etwas mehr als 2/3 der für die Studie benötigten Summe.
 
2.10.2013: Der Verein ME/CFS Schweiz hat 5'000 Euro an die Forscher am Haukeland-Universitätsspital in Bergen überwiesen. Die im Verlauf der Sammelaktion zusammengekommenen 4.557 Fr. wurden aus der Vereinskasse noch entsprechend aufgestockt.
 
8.3.2014: Ein norwegischer Blog-Post mit einigen News zur Studie. Es sollen nun 152 Patienten teilnehmen, 12 mehr als ursprünglich geplant. Die 5 beteiligten Zentren werden Bergen, Oslo, Notodden, Trondheim und Tromso sein. In Bergen sollen noch vor dem Sommer Patienten zu Untersuchungen aufgeboten werden, die ersten Infusionen sollen dann im Herbst gegeben werden. 
(Die englische Übersetzung befindet sich im unteren Teil der Blog-Seite.)
 
9.10.2014: Prof. Mella hat unseren schwedischen Kollegen mitgeteilt, dass die Studie nun bald beginnen kann. In diesem Artikel finden Sie die letzten News dazu:
 



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